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Corona Woche die Vierte

Zu erzählen, wann, wo und mit wie vielen es diese oder jene Stadt in Portugal erwischt hat, habe ich nicht vor. Berichte von täglich hässlicheren Zahlen, Schreckensnachrichten und frustrierenden Neuigkeiten gibt es genug anderswo zu lesen oder zu hören. Es gibt sie auf der ganzen Welt, kein Tag vergeht aktuell ohne. Wir sind jetzt gezwungen, eine Balance zu finden zwischen Nachrichten-Leserei, Informations-Verarbeiterei und Konzentration auf die neuen Prioritäten. Minimalismus, Miniradius, Minihighlights. Mein persönlicher Alltag dreht sich aktuell hoch unakademisch um die wichtigsten Familienmitglieder: unsere 2 Kinder. Nachdem ich kurz vor dem Ziel (Wiedereinstieg in den Job) coronamäßig ausgebremst wurde, mache ich also da weiter, wo ich mich die letzten Jahre sowieso befand. Beschäftigungs- und Spiel-Tipps, Ablenkungs- und Aufmunterungs- Tricks, Online- und Offline- Kinderbespaßungs-Websites gibt es seit Corona-Quarantäne- Aufruf zum Glück ja ohne Ende. Man kann sich davor kaum noch retten, teilweise. Es werden unzählige Kinder- Spiel und Spaß- Seiten geteilt, Zugänge zu Home-Schooling- Programmen bereitgestellt, Ideen und Ergebnisse über Verteiler ausgetauscht. Kindergarten-Whatsapp-Gruppen aten leider zum Teil aktuell in Wettbewerbs-artige, sich stets am allerhöchsten Maß messenden Erfolgsstories aus, Pre-School wird in Portugal sehr ernst genommen, das ist ein Fakt. Wir haben (wirklich lieb gemeinte) wöchentliche Stundenpläne vorliegen, wo von malen, basteln, schreiben, Wochenzusammenfassung tabellarisch gestalten, Mathe-Aufgaben und Kreuzworträtsel lösen (!) alles dabei ist. Zum einen finde ich es spannend, direkt mit an der Lern- und Erzieher-Front arbeiten zu dürfen, auf der anderen Seite belastet es ehrlicherweise aber auch manchmal. Vor allem an Tagen, an denen es regnet und kalt ist. Ziel ist es nun, die ganz persönliche Balance zu finden – abhängig von der Tagesstimmung, der Energie und dem Fuß, mit dem man morgens aufgestanden ist.

Abends filtert man dann, jeder für sich oder zusammen, die neusten Corona-News aus seinen Verteilern, Texte, links und: Videos. Die bös-humoristischen Videos, die abstrakt paradoxen, die verschwörerischen und verharmlosenden, die lächerlichen und die lustigen, die grausamen und die traurigen Videos. Die einen sollen daran erinnern, den Humor in diesen schwierigen Zeiten nicht zu verlieren, die anderen appellieren an eine nie ausgelebte, nie gekannte, nie in diesem Ausmaß geforderte Vernunft, wieder andere Videos belehren, zerlegen, erklären, vergackeiern. Es wird zunehmend schwierig, Falsch- und Halbinformation von Richtig- und Wissensinformationen zu unterscheiden. Expertenwissen jagt Halbwissen jagt Laienwissen. Der Focus hat sich auf ganz andere Bereiche verlegt, virtuelle Bereiche, virtuellen Austausch, virtuellen Zeitvertreib. Der kleine Handy-Bildschirm zieht seinen Besitzer noch mehr in seinen Bann als vor Corona-Zeiten. Gefährlich. Der Focus verlegt sich aber außerdem auch auf ein großes Engagement im Bereich Do-it- yourself, Kreativität ist gefragt und wird ausgelebt. Musik und Kunst auf den Balkonen der Menschen nur als Beispiel geteilter Kreativität. Und trotz all der Tristesse, die die grausamen Nachrichten, unsere soziale Isolierung und diese Radius-Einschränkung mit sich bringen, ist es interessant, zu beobachten, wie online- und take-away- Shops wie Pilze aus dem Boden schießen, wie Transportgebühren bei Lieferservice aufgehoben werden, wie Nachbarschaftshilfe und Solidarität entsteht, wie man teilt, für andere mal einkauft, sich nach dem Befinden anderer erkundigt, wie man im eigenen, kleinen Radius zusammengeschweißt wird durch das gleiche Schicksal, das wir alle teilen, wie die Konzentration auf den täglichen Minimalismus unsere Welt in andere Fugen lenkt. Jedem in die seine. Und von den großen, ganz großen Fugen, Stichwort Wirtschaft und Klimawandel, möchte ich gar nicht sprechen. Wichtig ist, nicht nur Schreckensnachrichten zu schauen sondern sich seine ganz persönliche Ablenkung zu schaffen, seine Nische, viele greifen zu Sport, andere zu do-it-your-self, zu kreativen Hobbies, wieder andere zu Gehirnfutter vom Feinsten, Arbeit und Wissenschaft.

Nach nun 4 Wochen ambitioniertem kochen muss ich übrigens einsehen: Am besten läuft Butterbrot und Nudeln mit nix. Wenn es nach meinen Kindern ginge, jeden Tag. Den Frust, den Mutter oder aber Mutter-und-Homeoffice-Vater dabei empfinden, muss jeder mit sich selbst ausmachen, denn bei Brot und Nudeln lachen einfach die Kinderherzen und lassen die eigenen, persönlichen Ansprüche mal kurz in den Hintergrund gleiten. Noch schaffe ich es aber nicht, jeden Tag Brot und Butter anzubieten, vielmehr halte ich mich noch an meinen eigenen Ansprüchen fest, wie lange das gut geht, wird sich ja zeigen! Jeden zweiten Tag wäre ja auch ok.

Take care, stay calm.

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