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Frauen und Kinder in Portugal.

lena walfischWenn ich mit Lena in der Trage durch die Straßen laufe, treffe ich immer wieder Damen, die strahlend stehen bleiben mit den Worten: „Que maravilha“ und „que coisa mais bonita do mundo„: Kinder, Die schönste Sache der Welt.

Portugal hat 10,29 Millionen Einwohner, Tendenz fallend,  (vor 10 Jahren waren es 10,6), der demographische Wandel ist auch hier zum Problem geworden: Weniger Kinder pro Frau, rückgängige Geburtenrate. Laut aktuellen von mir gefundenen Quellen 1,37 Kinder pro Frau. Unsere Generation der etwa 30-40 -jährigen haben, wenn, dann meist 1 bis maximal 2 Kinder. Früher haben die Frauen nicht gearbeitet, wie in vielen anderen Kulturen war es auch hier der Brauch, dass sie für die Kinder und die häusliche Versorgung der Familie zuständig waren. Zur Zeit des „Estado Novo„, der Diktatur (1933-1974), waren Frauen ohne eigenen Pass, Beruf oder Bildung und vom Ehemann abhängig… Das Wahlrecht besteht theoretisch seit 1931, wurde jedoch de facto erst nach der Diktatur umgesetzt. Das Recht auf eigene Berufswahl haben Frauen erst seit 1978, also noch 4 Jahre nach der Nelkenrevolution! Insgesamt ist die Situation der portugiesischen Frau von heute in der Gesellschaft weiterhin paradox: es gibt mehr HochschulabsolventINNEN und prozentual mehr Frauen auf dem Arbeitsmarkt als Männer, jedoch ist beim Gehalt und Rollenverständnis noch nicht von Gleichberechtigung zu sprechen. Heute sind jedoch über 60% (Daten allerdings nur bis 2014 gefunden) der Frauen berufstätig und der Trend geht aufwärts. Der von mir jeden Tag erlebte Stolz arbeitender, unabhängig wirkender Frauen, die man so trifft, oder von den die Kinder im Kindergarten abgebenden, ausgesprochen herausgeputzten Frauen, lässt mich persönlich nicht so kritisch auf das Thema Gleichberechtigung schauen.

Heute, beim einsteigen in den Fahrstuhl, kommt eine ältere Dame strammen Schrittes auf mich zu und möchte noch mitfahren, ich schätze sie auf 65/ 70 Jahre, schick vom toupierten, blondierten Haaransatz bis zu den Zehenspitzen, und letztere steckten in silberfarbenen, vorne offenen Stilettos mit mindestens 15 cm Absatz. Ich hätte wetten können, dies ist die Frau der Karriere, die Frau der Selbstverwirklichung, schlanke selbstbewusste Dame mit Sinn für Mode. Wie schnell man doch in Schubladen steckt – denke ich jetzt – doch das ist ein anderes Thema – es sollte mal wieder der Gegenbeweis und eine Lehre sein: sie habe 11 Kinder, davon 8 Jungs. Und ihre 2 Mädchen, ja, ach “ a coisa mais bonita do mundo„.

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Auto- Themen abgeschlossen!

Nach insgesamt 8 Monaten in Portugal ist auch endlich unser 2. Auto im komplizierten Legalisierungsprozess erfolgreich „eingebürgert“ worden – das MUSS einfach lobend erwähnt werden, war es doch ein so großes Thema! PARABENS, Glückwunsch!

Auto Nr. 2 wurde durch die Firma „legalisiert“, und als Wissende konnte ich bzw. konnten wir belustigt und entnervt zuschauen, wie das Thema langsam, schwankend,  aber letztendlich sicher in die Zielgerade einlief. Es musste auch erst noch ein Schreiben vom portugiesischen Zoll per Post bei uns ankommen, mit der Aufforderung, innerhalb 1 Woche einen vierstelligen Zoll-Betrag abzuführen, da das Auto nicht im vorgeschriebenen Zeitrahmen von 6 Monaten legal abgefertigt worden war. Nachdem Carsten das Schreiben den Verantwortlichen für den Legalisierungsprozess bei seiner Arbeit vorgelegt hatte, ging alles dann ganz schnell… und wir sind nun seit September stolze Besitzer eines weiteren portugiesischen Nummernschilds und damit nur noch inkognito unterwegs. Man fühlt sich ein Stück mehr angekommen und eingegliedert, so witzig oder albern es auch klingt, es ist irgendwie so.

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Besuch aus Mainz

Mit Mainzer-Dom-Gummibärchen hatten Anna und Michi im Nu Felix‘ Herz und ganze Aufmerksamkeit erobert. Und damit waren auch alle Tisch-Unterhaltungen vorprogrammiert: es wurde ständig nur verhandelt und gefeilscht – wer ihm wohl am schnellsten, am meisten und am häufigsten von diesen Gummibärchen abgibt, ob als Vor- oder Nachspeise, ob heute, morgen, gleich, später oder JETZT. Bei ungewöhnlichen 30 Grad am Wochenende und lauem Lüftchen statt kühler Meeresbrise hatten wir ein oktoberliches Sommer-Wochenende, Porto hat erneut gepunktet und sich neue Freunde  gemacht. An der Strandbar Praia dos ingleses gab es kühles Bier, jede Menge Sand und Steine für die unter-18-jährigen, gute Musik und einen ersten Eindruck von unserem Alltag hier, wie Anna korrekt vermutete: wir sitzen natürlich täglich hier abends mit den 2 Kindern, die das total toll finden, am Strand und trinken einen Sundowner bei 27 Grad. Auch ein bisschen Kultur musste her, also ein Trip in die Stadt: Guter Milchkaffee, guter frisch gepresster Orangensaft und viel Sonne überzeugen einfach immer. (Soviel zur Kultur.) Felix testet zwar zur Zeit alle möglichen Grenzen und Grenzüberschreitungen aus, verlangt nach dem, was grade nicht da ist, fordert ein, was er wissentlich nicht erfüllt bekommen kann- aber: vielleicht ist das ja normal. Das stresst die Mama etwas mehr als alle anderen, sie tragen es alle aber mit Fassung, die, die Zeuge der Diskussionen oder meines Stimmungstiefs werden 😉 Auf langen Strecken, z.B. zur Innenstadt beim Porto-City-Ausflug, informiert Felix mit ungekannter Ausdauer alle Spazierenden über die gängigsten, am Wegrand stehenden oder vorbei rasenden Automarken. Nebenher Erwachsenen-Gespräche führen ist nicht akzeptabel. Also wer sich nicht für die Architektur und das Weltkulturerbe-reiche Porto interessiert, genug von gekachelten Hauswänden und Kirchen hat, widmet sich am besten Felix, der dankbar ohne Punkt und Komma auf die etwas andere Art Gäste unterhalten kann. Man sollte sich vielleicht darüber im Klaren sein, dass Felix, wenn er mal angebissen hat, hartnäckig Kontakt zu den Interessierten sucht und gerne morgens um 8 im Zimmer der Gäste steht, um sie in die nächste Unterhaltung zu verwickeln – die noch im Schlafanzug im Bett liegen und gerade versuchen – nach vorabendeichen diversen Portwein-lastigen Getränken – langsam aufzuwachen. Wenn Carsten dann noch abends, gegen 20:00 Uhr bei einem Porto Tonic auf dem Balkon bei 23 Grad unter dem Nachthimmel Burger grillen kann, war es ein gelungenes Wochenende.

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Kindergarten: langsam aber sicher …

5 Wochen geht Felix jetzt in den Portugiesisch- englischen Kindergarten und ganz langsam nähern wir uns meinem persönlichen Ziel: dem Ziel oder Wunsch eines wohl jeden Elternteils: dass das Kind dort im Kindergarten ohne Tränen gerne bleibt und Spaß hat. Bevor man mit einer Eingewöhnung startet, egal wann und in was, hat man sich ja kräftig Gedanken um alles mögliche gemacht und nicht IRGENDeine Kita, Betreuung oder Kindergarten gewählt. Aber dann rollen trotzdem Tränen, obwohl man sich doch aus Erwachsenensicht so arg bemüht und alles so gut durchdacht hat.. gerade in unserem Fall, hier im Ausland, haben wir gefühlt noch genauer geschaut und uns überlegt, was für Felix in Frage käme. ‚Unser‘ Kindergarten ist klein, arbeitet nach Montessori- Konzept, hat einen Garten, lässt die Eingewöhnung durch die Eltern mit bestimmen. Und man kann bringen und abholen wann man möchte! 20 Kinder pro Gruppe auf 2 1/2 Betreuerinnen. Die Erzieherinnen in Felix‘ Gruppe sind einfühlsam, liebevoll, sie trösten und kuscheln. Nun, trotzdem kämpft Felix jeden Tag, gleich dazu an mehreren Fronten: mit der Sprache, bzw. gleich 2 Fremdsprachen, dem Mittagsschlaf (der 2 Stunden später als gewohnt ist) und es sind die ersten neuen Bezugspersonen seit einem DreiViertel Jahr. Das braucht alles also seine Zeit. Und das morgendliche, emotional aufreibende diskutieren, er will nicht dass ich gehe, ist wahrscheinlich Teil der Adaptation …

am Wochenende, als wir in diesem Bungalow auf der Quinta geschlafen haben, wache ich nachts auf weil ich plötzlich Felix ganz akkurat, langsam und deutlich sprechen höre: „one… twoooo… threee… four…“ trotz aller widrigen Umstände der Nacht musste ich sehr schmunzeln 🙂

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Sonne, Dorf, Quinta und die Familien-Realität

Samstag, 7.10., 10:00 Uhr. Wir sind grade an der Quinta angekommen, in einem Dörfchen neben Penafiel, zum ersten Wochenend- Ausflug zu viert mit Übernachtung. In einem Rausch des wir-wollen-das-Land-doch-endlich-kennenlernen habe ich das vor 2 Monaten gebucht. Toll, ein Freibad bzw. Aquapark in der Nähe sowie ein Freizeitpark, wenn alle Stricke reißen!

20 Grad, blauer Himmel, in der Ferne tönt portugiesische Heimatmusik, Ziegen- und Hühnerstall sowie Pferdekoppel in Sichtweite, ein riesiger Garten mit Zitronen- und Olivenhainen und Palmen all überall. Das Örtchen heißt Eirô, neben dem Ort ‚duas igrejas‚, und das wiederum liegt bei Penafiel. Eirô ist ein kleines portugiesisches Dorf und wir fallen mit dem Bus – und dem blonden Felix – auf wie ein bunter Hund.

Wir wurden kurz von der Rezeptionistin darüber informiert, dass an diesem Wochenende Stadtfest ist – mit viel Musik bis tief in die Nacht.. was wir nur nickend zur Kenntnis nahmen… Dann widmeten wir uns dem Plan, einen Ausflug zu den Ruinen einer alten Römersiedlung zu machen. Das war (zumindest mein persönliches) Highlight des Tages: Besuch des Castro de Monte Mozinho. Umgeben von einem Eukalyptus-Wald auf einer Anhöhe stehen auf ca. 20 ha verteilt Ruinen einer Siedlung aus dem etwa 1.Jhd. v.Chr. bis 1. Jhd. n.Chr. aus der Kaiserzeit Augustus. Und wir mittendrin, mutterseelenallein, keine Touristen weit und breit.

Beim Versuch, nachmittags einen Imbiss oder Snack zu finden, erhaschten wir beim spazieren durch das Dorf einen Blick auf die aufgebauten, geschlossenen Wägen und Stände, einen Boxauto- Fuhrpark und ein Karussell .. sowie die riesige Tribüne mit vielen enorm großen Lautsprechern, die auf einem Platz aufgebaut wurde. Es war 16:30 Uhr, kaum eine Menschenseele zu sehen, von irgendwas Essbarem ganz abzusehen. Ein paar einsame Männer bei einem Glas Wein für 0,90€ und einem Café für 0,70€, sonst niemand. In einem Tante Emma Laden kauften wir uns also unser Mittagessen: Trinkjoghurt und Bananen, mmh verführerisch, sowie das Abendessen zum selbst kochen in unserem Bungalow: Nudeln! Der Plan Freibad scheiterte an den Schließzeiten: Ab Oktober bis Juni (!) geschlossen! Der Freizeitpark auch. Dafür waren wir aufgrund der Nebensaison hier die einzigen „Touristen“, auch schön. Abends fing es damit an, dass Lena schon um 17:30 Uhr die gute Laune verlor. Und nachts wurde ständig ein Kind durch das andere wach, wenn nicht beide gleichzeitig, durch die wummernde Musik bis 4:00 Uhr oder das immense Feuerwerk, das um 20:00 Uhr, 24:00 Uhr und 1:00 Uhr direkt über unserem Bungalow in den Himmel geschossen wurde. Wir hatten abends, als beide ruhig im Bett lagen für eine Stunde eigentlich Zeit für ein schönes, kühles Getränk – aber keins da. Anfängerfehler! Am nächsten Morgen waren alle Kinder und Mütter gerädert, aber dank einem Papa mit gutem Schlaf konnte die Stimmung aufrecht erhalten werden … und letztendlich die Sonne hinter den vielen Schatten wieder aufgehen.

Penafiel haben wir nicht einmal erreicht, soll aber schön sein. Irgendwie ein typisches Wochenende mit Kindern, dachte ich!

Fürs nächste Mal empfehle ich uns, mindestens 2 Nächte an einem Ort zu sein, auf Stadtfeste im Ort zu achten (denn Sperrstunde gibt es in Portugal anscheinend nicht), immer Schwimm-klamotten einzupacken, die Öffnungszeiten von Attraktionen vorab zu checken, und: immer was zu essen UND: was schönes, kühles zum abendlichen anstoßen einzupacken.

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Weniger ist mehr!

Nachdem ich unser Wochenende noch einmal habe Revue passieren lassen, wurde mir erneut klar- wie schon öfter – aber manchmal sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht – mit Kindern gilt das Motto: weniger ist mehr. Während die Erwachsenen große Pläne schmieden, ein Wochenend- Programm entwerfen und versuchen, allen Parteien der Familie oder den Freunden, mit denen man sich trifft, gleichmäßig gerecht zu werden, brauchen die Kinder eigentlich nur eins: Kein Programm. Und entspannte Erwachsene.

Es ist ein Teufelskreis: Programm ist Arbeit, Arbeit generiert Erwartungen, Erwartungen wollen erfüllt werden. Und werden sie enttäuscht, sinkt das Stimmungsbarometer. Je weniger Programm, desto weniger Erwartungen an den Tag, das Wochenende, den Urlaub, desto größer die Entspannung. Und werden zufällig ein paar Erwartungen erfüllt, hinnehmen und freuen! Und wenn nicht, war man darauf wenigstens eingestellt.

Das mit den Erwartungen ist so eine Sache. Es sind ja nicht nur die eigenen Erwartungen, die einen den Tag über beschäftigen. Sondern auch die des Partners, der Familie, der Freunde. Und auch die der Gesellschaft! Das beste Beispiel sind wir hier selbst, die wir auf ein gefühlt sehr kleines Spektrum Abenteuer im „Erwachsenen-Sinne“ zurückblicken seit Februar, die wir denken: ‚jetzt sind wir schon mal in Porto, und das nur 3 Jahre, das muss man doch nutzen!‘ Das ständige optimalisieren, perfektionieren und planen – treibt einen in eine Spirale, in der man ständig nur daran erinnert wird, was es alles zu tun gibt, was nicht optimiert werden konnte, was fehlt und die to-do Liste wird nur länger, nicht kürzer. Es führt nicht zu Zufriedenheit. Gerade mit Baby und/ oder Kindern ist der Erwartungshorizont gleich doppelt so hoch, man kann ja nur verlieren. Beispiel: Diese kurze Baby-Zeit intensiv genießen wollen, weil die Kleinen doch so schnell groß werden – dabei sind es auf der Fakten-Seite schlaflose Nächte und ein Hintenanstellen der eigenen Wünsche und Bedürfnisse, die einem solch ein Vorhaben erschweren. Früher, ohne Kinder, konnte man hemmungslos planen und in den Tag hineinleben, da gab es diese Problematik nicht – außer die lange to-do-Liste vielleicht. Und ehe man sich versieht, rutscht man ab und zu zurück in das alte Muster von früher und stürzt sich auf Wochenendpläne und großartig geplante Ausflüge. Doch heute (und vor allem mit Baby) gilt: Die Dinge hinnehmen, wie sie sind, die Erwartungen tief ansetzen oder am besten erstmal gar keine haben, und: nicht planen. Denn weniger ist eigentlich mehr.

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Kinder: der portugiesische Freifahrtsschein


‚Parque biológico‘ in Vila Nova de Gaia angefahren, Die Hälfte durchschritten und dann einen Kaffee für 1€ getrunken, unseren Bus auf den Campingplatz gestellt, Dach hochgefahren, Campingstühle ausgeklappt, Wochenende!

Der Parque biológico in Gaia existiert so seit 1983, misst heute 50 Hektar Land und gilt als einer der schönsten Portugals – so preist die Webseite. Er beherbergt über 70 Vogelarten, viele davon leben dort freiwillig und saisonal, 30 davon aber brüten dort. 18 Säugetierarten, 14 Reptilienarten, 9 Fischarten  und ca 300 verschiedene Baum- und Pflanzenarten sind dort zu finden. Imposante Eukalyptusbäume und Korkeichen- Exemplare, siehe Foto! Der Park dient Schulklassen und anderen Interessierten als Lehrprojekt und ist stolz auf seine natürliche Anlage, die nicht mit einem Zoo verglichen werden möchte.

Nachdem wir an der Kasse einen Camping-Stellplatz erbeten hatten fügte ich am Ende hinzu, dass wir aber nicht über Nacht bleiben werden. Fragende Blicke, also ergänzte Carsten, wir möchten gerne nur gemütlich den Tag hier verbringen es wäre einfach der erste Camping-Ausflug mit 2 Kindern.. da erstrahlte ein Lächeln auf den Gesichtern der Portugiesen, wir bekamen die Schlüssel des Platzes in die Hand gedrückt und sie sagten: ach, das kostet nichts, viel Spaß und viel Erfolg!

An einem so schön geplanten Tag passieren natürlich alle Malheurs auf einmal (Baby läuft z.B. nach oben unten vorne UND hinten aus) und das Interesse des Großen am Park ist mäßig … aber sonst ….  zählt mal wieder im Rückblick nur der richtige Blickwinkel.

Leben

Spaziergänge, Sightseeing, Milchkaffee und Porto Tonic

Lange Spaziergänge, tolle Gespräche, der gute portugiesische Milchkaffee unser steter Begleiter von früh bis spät. Meine Freundin, ihr Sohn, Lena und ich haben fleißig Porto und seine Ecken erkundschaftet. Vor allem zu Fuß – wir waren täglich stundenlang unterwegs, am Strand entlang bis Matosinhos, Parque da cidade von Meeresseite und von Stadtseite, Parque Serralves und seine Quinta (Die Tiere hatten nur leider schon Feierabend und waren im Stall), Shopping Mall.. und: Endlich mal wieder Porto- Stadt! Am Wochenende spazierten wir über die Brücke ans andere Ufer auf der Vila Nova de Gaia Seite, mit den Portwein – Weingütern, machten Milchkaffee- Pause und beobachteten Jogger, Schiffe und Touristen (Beim nächsten Mal ist stattdessen Portwein-Pause angesagt..). Am nächsten Tag nahmen wir von zu Hause den Bus bis zur Igreja de Carmo in der Innenstadt und flanierten den Berg hinunter über Livraria Lello, der berühmten Buchhandlung, über São Bento, den Bahnhof, die Rua das Flores bis zum Palacio de Bolsa zum Douro-Flussufer hinunter.  Da kommt man ins Schwärmen, beim Anblick der schmalen, bunt gekachelten Häuser, deren adrette Anordnung nebeneinander, groß und klein abwechselnd, mit fröhlichfarbig gekachelten Hausfassaden an Gebäuden mit gemischten Architektur-Stilen von Romanik über Barock und Manuelinik … beim Anblick der fein säuberlich aufgehängten Wäsche auf den Wäscheleinen auf Balkonen über der Straße, bei den versteckt in die Fassade eingelassenen, religiösen Symbolen in Form von Kacheln, oder kleinen Schreinen, beim Anblick der alten Damen, auf dem Fenstersims lehnend, die Passanten betrachtend, alle Zeit der Welt habend… und immer die frische Meeresbrise im Nacken bei stahlblauem Himmel.

Man läuft im Baixo-Viertel unten am Fluss durch schattige enge Gänge an kalten, hohen Steinmauern entlang, wo früher die Lagerräume des Hafens am Douro-Fluss untergebracht waren und heute Restaurants, Bars und auch eine Seniorenresidenz beherbergt sind. Man bewundert die stählerne Brücke Dom Luis, die sich über den sonnenglitzernden Douro-Fluss spannt, die 1881 von Théophile Seyrig, einem Schüler Gustave Eiffels, erbaut wurde. Eiffels eigen gebaute Brücke, die 1877 eingeweihte Ponte Pia Maria, kann man etwas weiter weg in der Ferne Richtung Landesinnere sehen. Unzählige Shops bieten Souvenirs aus Kork und Kacheln an. Man sieht die vielen schönen, alten Schiffe auf dem Fluss, die Touristenschiffe der 7-Brücken-Tour, die Gondel in der Höhe über Gaias Dächern… und macht schon neue Pläne für die noch vielen kommenden Stadt-Ausflüge – so vieles haben wir noch nicht ausprobiert!

Abends, wenn alle Kinder schliefen, war dann endlich Zeit für Porto Tonic (oder stilles Wasser und 0,00% Bier…), Pastel de Natas und andere kalorienreiche Kleinigkeiten aus der Bäckerei.

Eigentlich haben wir das wichtigste in dieser einen Woche im Schnelldurchlauf zeigen können- was das Leben in Porto (mit Kind und Baby, mit Arbeitsalltag in Braga und mit Alltag in der Kindergarten-Eingewöhnungszeit) so ausmacht: Hervorragende, süße Bäckerskunst und viel Fisch, Nebelwände und Regenschauer, stahlblauer Himmel mit Sonne und Wind an nur einem gleichen Tag, Strand und Strandcafés all über all an der Strandpromenade, exzellente Milchkaffees, sogar koffeinfrei überall erhältlich und Portwein hell und dunkel. Wunderschöne Parks und Plätze, riesige Eukalyptusbäume und Palmen. Kultur und Geschichte wo man in der Stadt nur hinblickt, architektonische Highlights der Barockkunst, des Klassizismus, des Jugendstils und der Manuelinik. Spaziergänge durch Porto mit seinem morbiden, verspielten Charme einer vergessenen, verfallenden Stadt neben aufwendig restaurierten, modernen Gebäuden und Palästen. Porto Tonic und stilles Wasser, Shopping-Mall und Fast-Food…  — Nur die Torrada, die simple Torrada, das überall erhältliche, zu allen Tages- und Nachtzeiten für Alt und Jung passende Essen, mit oder ohne Marmelade, hausgemacht angeboten, die tägliche Lösung bei Hungerattacken, das schlichte, eigentlich banale aber so leckere Toastbrot mit Salzbutter- DAS haben wir tatsächlich vergessen!! Verena, du musst also nochmal wieder kommen.